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Tag 2.03 Zum Geiseljoch
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Tag 2.01 Waschraum Weidener Hütte
Tag 2.01 Waschraum Weidener Hütte
Tag 2.12 Tuxer Joch Trail
Tag 2.12 Tuxer Joch Trail

Route

  • Weidener Hütte
    1.856 m
  • Geiseljoch
    2.291 m
  • Lanersbach
    1.280 m

    Hintertux
  • Tuxer Joch
    2.340 m
  • Kasern
    1.625 m
  • Schmirntal
  • Stafflach
    1.100 m
  • Brenner
    1.377 m
  • Brennerbad
    1.309 m
  • Enzianhütte
    1.904 m
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Regenfahrt nach Südtirol

KARTE PROFIL ETAPPENFOTOS
Weidener Hütte - Enzianhütte
78 km • + 2.654 hm • - 2.583 hm • 06:32:00 Nettozeit

Um sieben Uhr sind wir wieder fit. Das Matratzenlager war uns eine gute Heimat. Beim Hinuntergehen in die Gaststube spüre ich den Muskelkater in den Oberschenkeln. Carsten kommt wegen seinem angeschlagenen Knie kaum die Treppen hinunter. Die Wirtin schätzt, dass wir heute Glück mit dem Wetter haben werden.
Den Aufstieg zum Geiseljoch (2.291 m) filme ich mehrfach bis wir oben sind. Dann kommt der Nebel wieder. Mit Aussicht ist’s nichts. Es wird kälter. Wir fahren ab und der Regen setzt ein - stärker als Tags zuvor und anhaltender.Der Schotterweg wird unberechenbar. Es ist nur noch 5 Grad warm. Wir wollen die Fahrstraße nach Lanersbach (1.280 m) über einen Wanderweg abkürzen und landen in einer Baustelle.

Carsten: „Da ist ein Wanderweg nach Lanersbach ausgeschildert und wir finden ihn nicht, das kann doch nicht sein. Ich latsche zwischen dröhnenden Baggern im Schlamm umher und suche den Trail...wegebaggert, versteckt zwischen all dem Zeug hier? Na egal, macht vermutlich eh keinen Sinn bei dem Wetter, also wider zurück, den Berg hoch und auf Teer runter“

Das motiviert bei diesem Wetter nicht gerade. Entsprechend langsam kommen wir vorwärts. In Lanersbach „überfallen“ wir erstmal einen Spar-Laden. Carsten ist überzeugt davon, dass es aufreißt. Tatsächlich tröpfelt es nur noch leicht. Ein Skigebiet im Sommer und dann noch im Regen. Es gibt kaum etwas, was trostloser aussieht. Die Straßen werden für die nächsten Touristenströme erneuert. Überall wird gebaut. Überall Lehm, Schmutz und kitschige Hotels mit vielen Sternchen.
In Hintertux sucht Carsten nach einem Fahrradladen, nachdem er eine Hinweistafel gesehen hat. Der Kopf einer Innensechskantschraube an der Scheibenbremse hat sich beim Versuch des Öffnens gespalten. Der Wechsel des Belages ist nun unmöglich.

Carsten: „So was nennt sich Bike-Service? Der dilettantische Typ in seiner düsteren Schmuddelwerkstatt im Intersport in Hintertux hat wohl noch nie ne Scheibenbremse gesehen, von anständigem Werkzeug ganz zu schweigen. Schade um die Zeit, die ich hier vertrödelt habe und der Belag ist immer noch nicht gewechselt...normal ist das ja nie ein Problem, daher hatte ich das zu Hause ausgelassen und die neuen Beläge nur eingepackt ...

Nachdem Carsten unverrichteter Dinge zurück ist fahren wir dem ersten Wegweiser Richtung Tuxerjoch (2.340 m) nach. Es sollte der Falsche sein. Der Fahrweg geht schon beim Ortseingang ab. Wir müssen noch mal umkehren. Es hört nicht auf zu regnen. Während des Aufstieges weiß ich nicht, ob die Nässe überall am Körper durch die Regenjacke hindurch oder von mir kommt. Zum Glück ist die Forststraße gut fahrbar. Wir machen schnell Höhe und über der Baumgrenze öffnet sich auf einmal der Himmel und die Sonne kommt hervor.
Gegenüber sehen wir den Hintertuxer Gletscher mit den Skifahrern.
Der Wanderweg vom Tuxerjoch nach Kasern (1.625 m) ist ein schmaler Pfad der sich im oberen Teil zwischen dem Geröll hindurch windet und mit steinernen Absätzen durchzogen ist. Im unteren Teil wird er zu einem klassischen Wurzeltrail.

Carsten: „Früher war das Tuxer Joch kein beliebter Pass, da die Abfahrt eigentlich unfahrbar war. Nun zeigt sich ein anders Bild, der Trail wurde anständig ausgebaut und ist traumhaft zu fahren. Schöne Spitzkehren, verblockte Schlüsselstellen und alles auf einem handtuchschmalen Pfad. Zum Glück ist der Weg relativ trocken, da es auf dieser Seite des Berges kaum geregnet hat...“

Bis auf eine Ausnahme, eine steile Treppe mit schief zueinander stehenden Holzstufen, ist er komplett fahrbar und wunderschön. Die vielen Spitzkehren und Absätze machen ihn zwar technisch anspruchsvoll, doch trotzdem kann man mit etwas Glück in einem „flow“ hinunterkurven.
Ich fahre als Erster in den Trail und bekomme immer mehr Lust auf Geschwindigkeit und dem Herumzirkeln um die Kurven und um die Steine. In einer spitzen Rechtskehre überschätzte ich mein Fahrkönnen dann doch etwas. Der Rucksack, durch die Kamera schwerer als sonst, tut sein Übriges und so werde ich über den Lenker gehoben und rolle leicht über den Rucksack ab. Um die Kamera brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Ich hatte sie gut in einer mit Schaustoff ausgeklebten Kunststoffbox untergebracht. Mein Ellenbogen schlägt jedoch auf einem Stein auf. Nach dem Sturz schaue ich mich um. Die anderen Biker sind noch mehrere Kehren über mir. Dave packt gerade seinen Fotoapparat aus. Schnell baue ich die Kamera auf um die drei beim Abfahren zu filmen. Durch Regenjacke und Armlinge geschützt habe ich mich nicht verletzt.
Der Trail bleibt atemberaubend schön. Kurz nach der Baumgrenze kommen einige Holzstufen. Sie sind noch feucht vom Regen und so steigen wir alle ab.

Dave: „Wegen der Fotos bin ich der letzte unserer Gruppe. Auf einmal steht Carsten mit seiner Kamera vor mir an einer Schlüsselstelle, hinter der einige Meter später die erwähnte Treppe beginnt. Über die ersten rutschigen Rundhölzer komme ich noch gut rüber, doch die nächste Stufe ist etwas höher und die restlichen ganz schön steil. Nee, nicht auf dem Alpencross! Ich komme gerade noch zum Stehen und blicke auf zwei Wanderer hinab, die wohl schon mit einem spektakulären Sturz gerechnet hatten.“

Ich freue mich. Endlich macht das alles wieder einen Sinn. Nach fast zwei Tagen Regen nun dieser Trail, die Sonne und freundliche Menschen um uns herum. So kommen wir am Kaserner Bach entlang ins Schmierntal. Das Filmteam ist schnell zur Stelle und so können wir noch ein paar Einstellungen drehen. Wir suchen uns dazu eine Brücke aus, hinter der unsere Abfahrt mit vom Tuxerjoch zu sehen ist. Die Tuxer Alpen sind nun durch die Wolken von der Sonne bestrahlt.

Dave: „Nach der letzten Aufnahme warten Carsten und ich an einem Parkplatz auf unsere Filmcrew, während Roland und Rolf mit ihnen die weitere Planung durchsprechen. Carsten versucht noch irgendwie an seine Bremsbeläge zu kommen, als ich einen Drop entdecke. „Hey Carsten, schau mal was ich gefunden habe!“ Als ich auf dem Asphalt lande, gibt es ein metallisches Geräusch. Den Klang kenne ich doch. Mist, am Hinterrad ist tatsächlich eine Speiche gebrochen und ich habe keinen Ersatz dabei! Na, zum Glück bin ich mit Downhill-Felgen unterwegs. Die müssten das ja locker wegstecken. Ich spiele noch ein wenig mit der Speichenspannung, dann geht es weiter - mit 31 Speichen.“

Nach etwa zwei Stunden fahren wir weiter das Schmierntal hinab. Schon wieder ist es nach 18 Uhr und wir überlegen ob es noch Sinn macht weiter zu fahren. Doch hier zu übernachten würde uns am nächsten Tag eine noch größere Etappe bescheren. Und was das Wetter am nächsten Tag noch für uns bereithalten wird ist auch unklar. Ich will unbedingt noch an diesem Tag über den Brenner (1.377 m). In Südtirol ist die Regenwahrscheinlichkeit wesentlich geringer.
Das Tal hinab kann man der alten, jetzt für den Autoverkehr gesperrten Straße folgen. Die ausgebaute Trasse windet sich steil am Rand des Tals hinauf. Überflüssige Höhenmeter, die man sich sparen kann. Zudem ist die alte Straße, die dem Bachlauf folgt landschaftlich viel schöner. Kurz vor der Brennerstraße gehen beide Straßen dann wieder zusammen.
Mit dem Verkehr haben wir um diese Uhrzeit Glück. Auf der Brennerstraße ist kaum was los. Bis zum Brenner selber radele ich nun voraus, um am Brunnen gegenüber des Bahnhofs auf die anderen zu warten. Nur wenige Autos überholen mich und mit den leer stehenden Grenzposten wirkt es hier fast etwas ausgestorben. Alle Geschäfte haben um diese Uhrzeit schon geschlossen. Ich fülle meine Trinkflaschen auf und sehe dann auch schon Carsten heranradeln, gefolgt von Dave und Rolf. Bevor wir weiter fahren, rufen wir noch bei der Enzianhütte (1.904 m) an um unser Kommen anzukündigen. Zudem hatten wir auf der Karte einen Weg gesehen, der kurz nach dem Brenner zur Enzianhütte führte. Es gefiel uns sehr auf ihn auszuweichen statt auf der Straße bis zu der Abzweigung des Fahrweges kurz nach Brennerbad (1.309 m) zu fahren. Doch hier wird uns von der Wirtin der Enzianhütte abgeraten. Das sei nicht so gut zum Biken. Und es war ja nun auch schon wieder spät und der Anstieg zur Hütte würde sicher noch etwas Zeit kosten.
Es wäre ja schon schön einmal bei Tageslicht anzukommen. So heizen wir die Straße hinab bis Brennerbad und dann den Fahrweg hinauf. Die Enzianhütte liegt auf 1.904 Meter über dem Meer. Gut 600 Höhenmeter geht es nun noch mal hinauf. Eine Stunde sollten wir dafür brauchen. Der größte Teil des Weges ist geteert und führt mit gleichmäßiger Steigung in Serpentinen durch den Wald. Kurz vor der Hütte habe ich dann noch Zeit einige Videoaufnahmen im Abendlicht zu filmen. Die Landschaft ist im warmen Rot der untergehenden Sonne getaucht.

Letzte Änderung 09.12.2007 | Hits: 6.033 | nach oben